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Wie erkennt die Temperatur­überwachung Heißstellen an Sammelschienen­verbindungen?

INNO Anwendungstechnik Aktualisiert am 19.10.2026 10 Min. Lesezeit

Heißstellen an Sammelschienen erkennen: Kontaktwiderstand, lastabhängige Temperaturverläufe und faseroptische Punktmessung für die kontinuierliche Überwachung.

Faseroptische Temperatursonden an hochstromführenden Sammelschienenverbindungen in einer elektrischen Anlage
  • Heißstellen entstehen an Sammelschienen vor allem an Stößen, Schraubverbindungen und anderen Hochstromkontakten, seltener im durchgehenden Leiterabschnitt.
  • Ein erhöhter Kontaktwiderstand kann lokal Wärme erzeugen, besonders bei hoher Dauerlast oder wechselnder Belastung.
  • Temperatur­verläufe helfen, sich entwickelnde Kontaktprobleme zu erkennen, wenn Laststrom und Anlagenzustand mitbewertet werden.
  • Thermografie, drahtlose Sensoren, konventionelle Kontaktsensoren und faseroptische Messung eignen sich für unterschiedliche Einbaubedingungen.
  • Fluoreszenz­basierte faseroptische Sensorik eignet sich für definierte Messpunkte bei Hochspannung, hohen Strömen und starken elektro­magnetischen Feldern, wenn ein galvanisch getrennter Messpfad benötigt wird.

Die Temperatur­überwachung von Sammelschienen erfasst ausgewählte Stellen, insbesondere Stöße und Schraubverbindungen, um ungewöhnliche Erwärmung frühzeitig festzustellen. Eine durchgehende Stromschiene kann über Jahre hohe Ströme führen. Kritisch sind häufig die Übergänge zwischen Leitern; dort liefern Temperatur­werte die aussagekräftigsten Hinweise auf den Kontaktzustand.

Warum Stöße und Schraubverbindungen zu Heißstellen werden

Die Verlustleistung steigt mit dem Widerstand und dem Quadrat des Stroms. Ein durchgehender Sammelschienen­abschnitt hat einen niedrigen, gut abschätzbaren Widerstand. Eine Verbindung fügt eine Kontaktfläche hinzu, deren tatsächlich leitender Anteil deutlich kleiner ist als die sichtbare Überlappung. Verschlechtert sich dieser Kontakt, steigt der Widerstand und die Wärme konzentriert sich auf einen kleinen Bereich.

Dazu können folgende Bedingungen beitragen:

  • Gelockerte oder gealterte Verbindungen. Die Schraubenvorspannung kann mit der Zeit nachlassen. Dadurch sinkt der Anpressdruck und der Kontaktwiderstand steigt.
  • Temperatur­wechsel. Wiederholtes Erwärmen und Abkühlen dehnt die Werkstoffe aus und zieht sie zusammen; die Klemmkraft kann sich allmählich verändern.
  • Oxidation oder Verschmutzung. Beläge und Partikel erhöhen den Übergangswiderstand, wenn die Kontaktflächen unzureichend vorbereitet oder geschützt sind.
  • Ungleiche Stromaufteilung. Parallele Leiter oder komplexe Geometrien können einzelne Verbindungen stärker belasten.
  • Hoher Dauerstrom oder ungewöhnliche Belastung. Ein Betrieb nahe oder oberhalb der Auslegungslast erhöht die Temperatur aller Verbindungen.
  • Mangelhafte Montage. Unpassende Kontaktflächen, falsches Anziehdrehmoment oder unvollständige Montage können von Anfang an Schwachstellen schaffen.

Ein Temperatur­anstieg allein weist die Ursache nicht nach. Eine warme Verbindung kann bei hoher Last unauffällig sein, während derselbe Wert bei geringer Last ein Problem anzeigt. Belastbare Bewertungen berücksichtigen Laststrom, Sichtprüfung, elektrische Prüfergebnisse und Wartungshistorie.

Wo die Temperatur einer Sammelschiene erfasst werden sollte

Die Messstellen richten sich nach dem Anlagenaufbau und den tatsächlichen Risikostellen, nicht nach einer festen Sensoranzahl. Typische Positionen sind:

  • Schraubstöße zwischen Sammelschienen­abschnitten
  • Verbindungen zwischen Sammelschienen sowie zwischen Sammelschiene und Anschlussklemme
  • Kabelanschlüsse an Sammelschienen
  • Sammelschienen­abschnitte innerhalb von Schaltanlagenfeldern
  • Weitere Hochstromkontakte mit früheren Erwärmungsproblemen oder eingeschränktem Zugang

In geschlossenen Anlagen ist der Zugang zur Prüfung oft eingeschränkt. Deshalb ist die kontinuierliche Messung an ausgewählten Verbindungen hilfreich. Bei der Temperatur­überwachung in Schaltanlagen können wenige gezielt ausgewählte Messstellen mehr Erkenntnisse liefern als gelegentliche manuelle Kontrollen.

Messverfahren für Sammelschienen im Vergleich

Zugang, Spannungsebene, elektro­magnetische Umgebung und benötigte Messhäufigkeit bestimmen das geeignete Verfahren. Faseroptische Sensorik ist nicht für jede Sammelschiene erforderlich. Thermografie, konventionelle Kontaktsensoren oder drahtlose Sensoren können die Aufgabe unter passenden Bedingungen bereits erfüllen.

VerfahrenGeeigneter EinsatzZu prüfen
Infrarot / ThermografieRegelmäßige Prüfung sichtbarer Oberflächen; schnelle Kontrolle vieler BauteileFreie Sicht erforderlich; Emissionsgrad beeinflusst den Messwert; kontinuierliche Erfassung nur mit fest installierten Kameras
Konventionelle KontaktsensorenViele übliche Messstellen mit einfacher LeitungsführungBei Hochspannung oder starken elektro­magnetischen Feldern sind Isolation, Leitungsführung und Montage zu prüfen
Drahtlose Temperatur­sensorenBestimmte kontinuierliche Messaufgaben bei schwieriger VerkabelungEnergieversorgung, Funkverbindung im Metallgehäuse, Befestigung und langfristiger Wartungsaufwand
Fluoreszenz­basierte faseroptische PunktsensorenDefinierte Kontaktstellen mit Bedarf an galvanischer Trennung und hoher StörfestigkeitGeplante Montage an bestimmten Stellen; jeder Messpunkt benötigt eine eigene Sonde und einen Kanal

Thermografie eignet sich für Inspektionsrunden, weil ein Gerät viele Verbindungen prüfen kann. Verdeckte Sammelschienen bleiben jedoch unsichtbar. Kontakt- und Funksensoren erfassen direkt an der Verbindung und müssen dort der elektrischen Umgebung standhalten. Der Vergleich von punktueller und berührungsloser Temperatur­messung beschreibt weitere Abwägungen.

Die absolute Temperatur ist nur ein Teil der Bewertung. Zeitliche Verläufe können mehr diagnostische Aussagekraft besitzen, auch ohne einen pauschalen Alarmgrenzwert. Relevant sind insbesondere:

  • Langsamer Anstieg bei konstanter Last. Steigt die Temperatur ohne entsprechende Stromänderung, kann sich die Kontaktstelle verschlechtern.
  • Lastabhängige Veränderungen. Dass die Temperatur dem Strom folgt, ist erwartbar; entscheidend ist, ob die Erwärmung angemessen bleibt.
  • Unterschiede zwischen vergleichbaren Verbindungen. Ähnliche Kontakte mit ähnlicher Strombelastung sollten ähnliche Temperaturen aufweisen. Dauerhafte Abweichungen sind zu prüfen.
  • Plötzliche Temperatur­änderung. Ein schneller Sprung ohne Erklärung durch Last oder Umgebung erfordert eine Prüfung.
  • Wiederkehrende Übertemperatur. Wiederholte Auffälligkeiten an derselben Stelle sprechen für ein fortbestehendes Problem.

Alarmgrenzen ergeben sich aus den Herstellervorgaben, den anwendbaren Normen und dem Instandhaltungskonzept des Betreibers. Trenddaten unterstützen die Bewertung und ersetzen keine Prüfung.

Punktmessung mit fluoreszenz­basierter Faseroptik

INNO verwendet fluoreszenz­basierte faseroptische Punktmessung. Eine Sonde misst genau einen definierten physischen Punkt. Mehrere zu überwachende Verbindungen erfordern mehrere Sonden und zugehörige Messkanäle.

Dieses Verfahren ist keine verteilte Temperatur­messung (DTS) und misst nicht kontinuierlich entlang der Faser. Es sucht auch keine unbekannten Heißstellen. Die Sonde muss an einer geplanten Messstelle montiert werden; deren Auswahl ist daher Teil der Auslegung. Eine faseroptische Temperatur­sonde für Sammelschienen und Schraubverbindungen erfasst direkt an dieser Kontaktstelle.

Funktionsweise der Fluoreszenz­messung

Die Messkette besteht aus folgenden Schritten:

Anregungslicht → fluoreszierender Sensorwerkstoff → zurückgeführte Fluoreszenz → Abklingkurve → Fluoreszenz­lebensdauer → Kalibrierung → Temperatur

Das Auswertegerät sendet Anregungslicht durch die Faser zum fluoreszierenden Material an der Sondenspitze. Dessen Abklingzeit hängt von der Temperatur ab. Das Gerät wertet die Abklingkurve aus und rechnet die ermittelte Lebensdauer mithilfe einer Kalibrierkennlinie in Temperatur um. Da die Zeit und nicht die Helligkeit ausgewertet wird, ist das Verfahren weniger empfindlich gegenüber Biege- und Steckverlusten. Die fluoreszenz­basierte faseroptische Temperatur­messung nutzt diese zeitabhängige Materialeigenschaft.

Der optische Signalpfad ermöglicht die galvanische Trennung und eine hohe Störfestigkeit gegenüber elektro­magnetischen Feldern. Das ist nahe stromstarker Sammelschienen relevant, weil starke Felder elektrische Signale stören können. Bei der Temperatur­messung in starken elektro­magnetischen Feldern müssen diese Einflüsse in die Verfahrensauswahl einfließen.

Typische technische Daten

Die Werte hängen von der jeweiligen Sonde und der Konfiguration des Messsystems ab.

ParameterTypischer Wert
MessprinzipFluoreszenz­abklingzeit
Temperatur­bereich−40 °C bis +260 °C
GenauigkeitJe nach Konfiguration ±0,5 °C bis ±1 °C
Auflösung0,1 °C
Ansprechzeit<1 s bei Standardkonfigurationen
Sondendurchmesser2–3 mm, konfigurierbar
FaserlängeNach den Anforderungen der Anwendung konfigurierbar
Elektrische Isolation>100 kV bei entsprechend ausgelegten Konfigurationen
SteckverbinderST
MesskanäleEin- und Mehrkanal­konfigurationen
KommunikationRS485 / Modbus RTU bei geeigneten Auswertegeräten

Diese Eigenschaften eignen sich für die Temperatur­messung bei Hochspannung, bei der die Isolation zwischen Messstelle und Auswertegerät entscheidend ist, sowie für die umfassendere Temperatur­überwachung von Hochspannungs­anlagen.

Kontinuierliche Mehrpunkt­überwachung an Sammelschienen

Sammelschienenanordnungen haben häufig mehrere Kontaktstellen. Müssen mehrere definierte Positionen kontinuierlich erfasst werden, kommt eine Mehrkanal­auswertung infrage. Die Kanalzahl folgt den tatsächlichen Messstellen und damit dem Anlagenaufbau und der Risikobewertung. Eine Mehrpunkt-Temperatur­überwachung verbindet mehrere Kontakte, wobei jeder Punkt eine eigene Sonde und einen Kanal erhält.

Ein typischer Systemaufbau ist:

Faseroptische Sonde → Lichtwellenleiter → Temperatur­messumformer / Auswertegerät → Temperatur­daten → gegebenenfalls RS485 / Modbus RTU → SPS / SCADA / Leitsystem

Ein mehrkanaliges faseroptisches Temperatur­auswertegerät verarbeitet das optische Signal und liefert Temperatur­daten. Die vorhandene SPS oder SCADA-Plattform übernimmt Anzeige, Trends und Alarme. INNO liefert die Sensorik und Messwerterfassung; das Leitsystem bleibt beim Betreiber. Ein faseroptisches Temperatur­überwachungs­system für Schaltanlagen bündelt diese Komponenten. Weitere faseroptische Temperatur­messsysteme decken andere Konfigurationen ab. Die faseroptischen Temperatur­sensoren und das Prinzip der faseroptischen Temperatur­messung bleiben dabei gleich.

Das passende Überwachungsverfahren auswählen

Ausgangspunkt sind die Kontaktstelle und ihre elektrische Umgebung. Bei sichtbaren Oberflächen und ausreichenden Inspektionsintervallen kann Thermografie genügen. Für kontinuierliche Daten an geschlossenen oder unter Spannung stehenden Verbindungen kommen Kontakt-, Funk- oder faseroptische Sensoren infrage. Die Auswahl hängt von Spannungsebene, Störeinflüssen und Wartungsanforderungen ab.

Temperatur­verläufe werden zusammen mit Laststrom und Anlagenzustand ausgewertet. Faseroptische Punktmessung ist besonders bei galvanischer Trennung und hohen Anforderungen an die elektro­magnetische Störfestigkeit relevant. Jede definierte Messstelle benötigt eine eigene Sonde; der Messstellenplan sollte vor der Montage feststehen. Einen konkreten Sammelschienenaufbau können Sie mit dem INNO-Engineeringteam abstimmen.

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Häufige Fragen

Was bedeutet Temperatur­überwachung an Sammelschienen?+

Dabei wird die Temperatur an ausgewählten Stellen einer Sammelschiene erfasst, vor allem an Stößen und Schraubverbindungen. Auffällige Erwärmung und zeitliche Veränderungen werden durch regelmäßige Thermografie oder kontinuierlich installierte Sensoren sichtbar.

Wo sollten Temperatur­sensoren an Sammelschienen montiert werden?+

An Verbindungen mit erhöhtem Erwärmungsrisiko oder hohen Folgen eines Ausfalls, etwa Schraubstößen, Kabelanschlüssen und Hochstromanschlüssen. Anzahl und Lage richten sich nach dem Anlagenaufbau und den tatsächlichen Risikostellen.

Warum überhitzen Sammelschienen­verbindungen?+

Mögliche Ursachen sind erhöhter Kontaktwiderstand durch gelockerte oder gealterte Verbindungen, Oxidation, Verschmutzung, ungleiche Stromaufteilung, Temperatur­wechsel, Montagefehler und hohe Dauerlast. Eine Erwärmung ist zusammen mit Last, Prüfbefunden und Wartungshistorie zu bewerten.

Eignen sich faseroptische Sensoren für die kontinuierliche Überwachung?+

Ja. Fluoreszenz­basierte Sonden können an festgelegten Kontaktstellen montiert und mit einem Auswertegerät verbunden werden. Jede Sonde misst einen Punkt; mehrere Messstellen benötigen mehrere Sonden und entsprechende Kanäle.

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