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Faseroptisches Thermometer: Messprinzip, Anwendungen und Auswahl

INNO Anwendungstechnik Aktualisiert am 06.11.2026 15 Min. Lesezeit

Faseroptisches Thermometer auswählen: Fluoreszenzsonden, Messgeräte, Einsatzbereiche und Kriterien für die Systemauslegung.

Faseroptisches Thermometer: Messprinzip, Anwendungen und Auswahl
  • Ein faseroptisches Thermometer misst die Temperatur an der Spitze einer passiven optischen Sonde. Zum Messpunkt führt keine elektrische Signalleitung.
  • Die Fluoreszenz­sonde von INNO regt einen Leuchtstoff an der Sondenspitze an. Das Messgerät bestimmt die Temperatur aus der Abklingzeit des zurücklaufenden Lichts.
  • Ein Messsystem umfasst Sonden, Lichtwellenleiter oder Verlängerungen, ein Messgerät sowie je nach Ausführung eine Anzeige, RS485-Schnittstelle und Überwachungssoftware.
  • Typische Einsatzorte sind Transformator- und Drosselwicklungen, Schaltanlagen, Statoren von Motoren und Generatoren, MRT-Anlagen, Mikrowellenprozesse und Hochspannungs­prüfstände.
  • Je nach Sondenkonstruktion reicht der Messbereich bis −40 bis +260 °C. Messgeräte mit einem bis 64 Kanälen erfassen einen oder mehrere festgelegte Messpunkte.

Fluoreszenzsonde mit orangefarbenem Lichtwellenleiter

Was ist ein faseroptisches Thermometer?

Ein faseroptisches Thermometer überträgt das Messsignal über einen Lichtwellenleiter. Das Messelement befindet sich an der Sondenspitze; ein Gerät im Schaltschrank sendet Licht zur Sonde und wertet das zurückkehrende Signal aus. So lässt sich die Temperatur auch dort direkt erfassen, wo metallische Signalleitungen wegen hoher Spannung oder starker Felder schwierig einzusetzen sind.

Jede Sonde misst an einem definierten Punkt. Für zehn Messstellen werden zehn Sonden und mindestens zehn Messkanäle benötigt. Als Sonde bezeichnet INNO die Messspitze mit Faser, als Messgerät die Auswerteeinheit. Zum Thermometer im weiteren Sinn gehört die gesamte Messkette bis zur Datenausgabe.

Wie funktioniert ein fluoreszenz­basierter Temperatur­sensor?

Bei der fluoreszenz­basierten Temperatur­messung sendet das Messgerät Anregungslicht durch die Faser. Der Leuchtstoff an der Spitze nimmt das Licht auf und sendet Fluoreszenz zurück. Deren Abklingzeit hängt von der Temperatur ab. Das Gerät misst diese Zeit und berechnet daraus den Temperaturwert.

Die Auswertung beruht auf der Zeit und nicht allein auf der Helligkeit. Biegungen und Steckverbindungen können die Signalstärke verringern; für eine verlässliche Messung muss am Gerät noch ausreichend Licht ankommen.

Faseroptischer Fluoreszenz-Temperatursensor

Welche Komponenten gehören zum Messsystem?

  • Fluoreszenz­sonden mit Messspitze, Faser, Schutzhülle und passendem Anschluss.
  • Optische Verlängerungen, wenn die Sondenfaser für den tatsächlichen Leitungsweg nicht ausreicht.
  • Ein kompatibles Messgerät, das die Signale auswertet und je nach Ausführung Messwerte, Alarme und Schnittstellen bereitstellt.
  • Eine lokale Anzeige und gegebenenfalls Software für Aufzeichnung und Fernüberwachung.
  • OEM-Module für den Einbau in Anlagen des Geräteherstellers.

Die Sonden werden an das Messgerät angeschlossen. Eine SPS oder ein SCADA-System erhält die Daten über die Schnittstellen des Geräts, nicht direkt von der Sonde.

IF-C-Mehrkanalgerät zur faseroptischen Temperaturmessung

Warum optisch bei Hochspannung und starken Störfeldern messen?

Die passive optische Messstrecke benötigt keine leitende Signalleitung am Messpunkt und ist gegenüber elektro­magnetischen Störungen hoch beständig. Der Messwert stammt vom Einbauort der Sonde und kann mit berechneten Temperaturen verglichen werden. Kleine Sondenspitzen erleichtern den Einbau in begrenztem Raum. Isolationsabstände, Faserführung, Signalreserve und Einbaubedingungen müssen dennoch für die Anlage geprüft werden.

Wo werden faseroptische Thermometer eingesetzt?

Leistungstransformatoren

Bei der Temperatur­messung an Transformator­wicklungen messen Fluoreszenz­sonden direkt an Wicklungs­stellen, die anhand der thermischen Auslegung ausgewählt werden. Der Einbau erfolgt gewöhnlich während der Fertigung oder bei einer Revision mit Zugang zur Wicklung. Je nach Platz und mechanischer Beanspruchung kommen Polyimid-, armierte oder für Öltransformatoren ausgelegte Sonden zum Einsatz. Tankdurchführungen und Flanschkomponenten führen die Fasern zum Messgerät im Schaltschrank.

Bei vielen Transformatoren wird die angezeigte Wicklungs­temperatur aus Obenöltemperatur und Laststrom abgeleitet. Direkt messende Sonden ergänzen diese Anzeige. Ein dokumentiertes Beispiel betrifft einen Öltransformator mit 110 kV; die Einbaupositionen bleiben vom jeweiligen thermischen Entwurf abhängig.

Trocken­transformatoren und Drosseln

Polyimidsonde für Transformatorwicklungen

In Trocken­transformatoren und Reaktoren lassen sich mehrere ausgewählte Wicklungs­stellen ohne metallische Sensorleitungen an den Spulen überwachen. Die Systemkonfiguration verbindet Sonden, Messgerät, Alarmfunktion und die benötigten Kommunikations­ausgänge.

Schaltanlagen und Sammelschienen

Faseroptische Sonden an einer Trockentransformatorwicklung

Verschraubte Sammelschienen­verbindungen, Kontakte und Kabelanschlüsse können sich lokal erwärmen. Eine für Schraubverbindungen ausgelegte Sonde bringt die Messspitze an den ausgewählten Kontakt. Kanalzahl und Faserführung richten sich nach der Messstellenliste; Alarmkontakte und RS485 / Modbus hängen von der gewählten Geräteausführung ab.

Für Schraubverbindungen beschreibt die Produktinformation eine ringförmige Kupferausführung mit 1 bis 15 m Faser. Ein Neunkanalgerät kann eingesetzt werden, wenn genau neun Messstellen im Projekt festgelegt sind.

Motoren und Generatoren

Sonde für Sammelschienen und Schraubverbindungen

Bei Statorwicklungen interessiert die Temperatur an ausgewählten Nuten oder Wicklungs­stellen. Mehrere Sonden erfassen diese Punkte über separate Kanäle. Die angegebene Motorwicklungs­sonde besitzt je nach Ausführung eine Quarzspitze mit 2,5 oder 3 mm Durchmesser und einen konfigurierbaren Bereich bis +260 °C.

MRT- und HF-Umgebung

Temperatursonde für Motorwicklungen

Eine optische Sonde kann Temperatur an einer ausgewählten Stelle im Magnetfeld erfassen, während das Auswertegerät außerhalb der vorgesehenen Feldzone steht. Für die genannte MRT-/HF-Sonde sind 20 bis 50 °C, ±0,3 °C, 1,5 mm Spitzendurchmesser und 5 m Faser aufgeführt. Die Eignung für die konkrete Messanordnung ist vor dem Einsatz zu bestätigen.

Mikrowellen und HF-Prozesse

Faseroptische MRT- und HF-Temperatursonde

In Mikrowellen- und HF-Anlagen müssen Sondenmaterial, Position, Faserweg und Prozessbedingungen zusammen betrachtet werden. Die faseroptische Sonde misst an der festgelegten Kontaktstelle; sie ermittelt nicht automatisch die heißeste Stelle im Prozessraum.

Hochspannungs­prüfungen

Messsystem für Mikrowellenanlagen

Bei Prüfständen kann die passive Sonde an der ausgewählten Stelle sitzen, während das Auswertegerät an einem geeigneten Ort installiert wird. Sondenbauform, Spannungsbeanspruchung, Abstände und Leitungsführung sind für den jeweiligen Prüfaufbau festzulegen.

Lösungen für die Temperatur­überwachung

Direkte Messung an Transformator­wicklungen

Die Sondenpositionen werden anhand der thermischen Auslegung gewählt. Jeder Kanal liefert einen direkten Wert seines Einbauorts; der absolute Hotspot wird nicht selbstständig gesucht. Messwerte können mit Öltemperatur, Last und thermischen Berechnungen verglichen werden.

Mehrpunkt­überwachung elektrischer Anlagen

Faseroptische Sonde mit ST-Anschluss

Eine Sonde benötigt einen Kanal. Neun Messpunkte können beispielsweise mit einem Neunkanalgerät überwacht werden; für Prüfaufbauten und größere Anlagen sind auch 32- und 64-Kanal-Ausführungen vorgesehen. Zusätzliche Reserven werden anhand der geplanten Erweiterung festgelegt.

Galvanisch getrennte Messung

Temperaturmesssystem mit 64 Kanälen

Für Hochspannung oder starke elektro­magnetische Felder sind Spannungsniveau, Störquelle, Einbauplatz und Faserroute entscheidend. Genauigkeit und Messbereich hängen von Sonde und Gerät ab; die ausgewählte Kombination muss anhand ihrer Spezifikation geprüft werden.

Anbindung an SPS und SCADA

Oberfläche der Temperaturüberwachungssoftware

Das Messgerät stellt Temperaturen und Alarme bereit. Für die Integration werden RS485-/Modbus-Register, optionale Analogausgänge, Alarmschwellen und Kanalnamen mit der Anlagensteuerung abgestimmt. Software kann je nach Konfiguration Trends und Messwerte aufzeichnen.

OEM-Ausführungen

Vierkanal-OEM-Modul IF-G4

Gerätehersteller können Sondenbauform, Faserlänge, Steckverbinder und Auswertemodul auf die eigene Konstruktion abstimmen. Kanalzahl, Schnittstellen und Gehäuse werden vor Bestellung für die Anwendung geprüft.

Die IF-G-OEM-Module sind mit einem, drei oder vier Kanälen erhältlich. Für das vierkanalige IF-G4 werden 5 V DC und eine Aktualisierung alle 300 ms angegeben. Sondendurchmesser, Mantel, Faserlänge, Steckverbinder und Projektdokumentation können für eine Serienintegration abgestimmt werden.

Sonden, Messgeräte und Systeme auswählen

Faseroptische Temperatur­sonden

SondeMesspunktBereichAngaben
Standard-Fluoreszenz­sondeAllgemeiner Messpunkt−40 ~ +260 °C2–3 mm; 0–20 m; ST
Sonde für Sammelschienen und SchraubverbindungenSchienen und Schraubverbindungen−40 ~ +260 °CKupferring; 1–15 m
Polyimid-WicklungssondeTransformator­wicklung−40 ~ +260 °C2,5 mm
Sonde für ÖltransformatorenÖlgefüllte Wicklung−40 ~ +260 °C±1 °C; 100 kV; 3 m Polyimid / PTFE
Motorwicklungs­sondeStatorwicklung−40 ~ +260 °CQuarzspitze; 2,5 oder 3 mm
MRT-/HF-SondeMRT, HF und Magnetfelder20–50 °C±0,3 °C; 1,5 mm; 5 m

Sonden, Stecker und Messgerät müssen zueinander passen. Bei Schutzrohr- und Wicklungs­sonden kann sich der Anschluss von dem einer Standardsonde unterscheiden.

Mehrkanal-Messgeräte

Das Gerät bestimmt Kanalzahl, Alarmausgänge und Daten­übertragung. Die IF-C-Familie wird mit 1 bis 64 Kanälen beschrieben; je nach Ausführung stehen RS485 / Modbus, Alarmrelais und optionale Analogausgänge bereit. Ein Neunkanalgerät passt zu einem entsprechend freigegebenen Messstellenplan. Für OEM-Anwendungen gibt es kompakte Module; die IF-G4-Ausführung besitzt vier Kanäle.

MessgerätKanäleAngaben
IF-C Mehrkanal-Messumformer1–64Konfigurierbar; −40 bis +260 °C; ±1 °C; 0,1 °C; 2 × RS485 / Modbus; optional 4–20 oder 0–20 mA; 2 Relais (5 A / 250 VAC); 220 V AC/DC
IF-C Neunkanalgerät9RS485 / Modbus; optional 4–20 mA
Gerät mit Anzeige / LCD-AnzeigeJe nach AusführungLokale Anzeige von Temperatur und Alarmen
IF-G4 OEM-Modul45 V DC; RS485

Komplette Überwachungs­systeme

Bei einem konfigurierten System werden Sonden, Faserwege, Messgerät und Ausgänge gemeinsam auf die Anlage abgestimmt. Ausführungen gibt es unter anderem für Transformatoren, Schaltanlagen, Generatoren, Prüfstände und Halbleiterausrüstung.

Temperaturüberwachungssystem für Schaltanlagen

Die Wicklungs­rohrsonde verwendet einen FC/APC-Anschluss; bei der Standardsonde ist ST angegeben. Sonde, Steckverbinder und Messgerät müssen daher zusammenpassen. Die angegebenen Werte gelten für bestimmte Ausführungen und sind vor der Bestellung zu prüfen.

Wie wird das passende Messsystem ausgewählt?

Messbereich

Niedrigste, normale und höchste Temperatur am Einbauort einschließlich kurzzeitiger Spitzen festhalten. Der zulässige Bereich ist für die konkrete Sonde und ihre Ausführung zu bestätigen; die MRT-/HF-Sonde besitzt einen gesonderten Bereich.

Messstellen und Kanäle

Messpunkte zählen, nicht Maschinen: Pro Messstelle wird eine Sonde mit einem Kanal benötigt. Eine Kanalreserve wird nach dem abgestimmten Messstellenplan gewählt.

Sondenbauform

Der Einbauort bestimmt Bauform und mechanischen Schutz: beispielsweise Polyimid für enge Wicklungsräume, armierte oder rohrgeschützte Ausführungen bei höherer mechanischer Beanspruchung und passende Kontaktsonden für Schraubverbindungen.

Faserlänge

Den tatsächlichen Leitungsweg bis zum Messgerät einschließlich Durchführungen und Montagereserve messen. Bei Verlängerungen müssen optische Anschlüsse und verfügbare Signalreserve geprüft werden.

Anzeige und Kommunikation

Entscheidend ist, wo Bediener die Werte ablesen: vor Ort über eine Anzeige oder über das Leitsystem. Register, Alarmkontakte, optionale Analogausgänge, Spannungsversorgung und Software vor der Bestellung mit der Steuerungstechnik abstimmen.

Worauf kommt es bei der Herstellerwahl an?

Ein Anbieter sollte Messstellen, Einbauzeichnung, Temperatur­bereich, Faserweg, Kanalzahl und Schnittstellen vor der Auslegung prüfen. Für OEM-Projekte sind außerdem Anpassbarkeit, Dokumentation, Fertigungsqualität und technische Unterstützung relevant. Welche Prüf- und Konformitätsunterlagen für eine konkrete Ausführung gelten, wird projektbezogen bestätigt.

INNO ist seit 2011 im Bereich der faseroptischen Punktmessung tätig. Auf der Unternehmensseite werden Unterlagen zu ISO 9001, ISO 14001, ISO 27001 und ISO 45001 sowie CE-EMV, CE-Niederspannung und RoHS aufgeführt. Welche Unterlagen eine Ausführung abdecken, ist projektbezogen zu bestätigen.

Messaufgabe mit INNO besprechen

Für die technische Auslegung helfen eine Gerätezeichnung, die Messstellenliste, der Temperatur­bereich, die geplante Faserführung und die benötigte Schnittstelle. Das INNO-Technikteam kann darauf aufbauend Sonde und Messgerät für die Anwendung prüfen.

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Häufige Fragen

Wie viele Messpunkte überwacht ein faseroptisches Thermometer?+

Je nach Auswertegerät sind Ausführungen von einem bis 64 Kanälen verfügbar. Jeder Kanal liest eine Sonde an einer definierten Messstelle.

Ist eine Anbindung an SPS oder SCADA möglich?+

Ja. Das Messgerät stellt je nach Ausführung RS485 / Modbus, optionale Analogausgänge und Alarmrelais bereit. Die optische Sonde selbst besitzt keine elektrische Schnittstelle.

Welcher Temperatur­bereich wird abgedeckt?+

Viele INNO-Sonden sind bis +260 °C ausgelegt; die konkrete Ausführung ist anhand der Produktspezifikation zu prüfen. Die MRT-/HF-Sonde ist für 20 bis 50 °C angegeben.

Lassen sich Sonde und Faserlänge anpassen?+

Faserlänge, Sondenabmessung, Schutzhülle, Stecker und Kanalzahl können anhand des tatsächlichen Einbaus geprüft und abgestimmt werden.

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